Leistungsport Segeln

Segeln ist keineswegs nur das Segeln auf dem Wasser...

"Es wird nur gesessen und manchmal muss man das Segel auf die andere Seite nehmen" ist das, was jeder Segler schon hundertmal gehört hat.

Jede Sportart hat ihre Details, die sie zu etwas Besonderem macht.
Jeder Leistungssegler würde sogar behaupten, dass die wichtigen Details beim Segeln weitaus zahlreicher und vielfältiger sind als in jeder anderen Sportart. Eine Tartanbahn oder ein Fußballfeld können nie so variabel sein, wie es das Wasser und der Wind sind.

Wir sehen das Segeln als eine der komplexesten Sportarten, die man betreiben kann.
Welche Ebenen sind es, auf denen man gefordert wird?

Man muss als unabdingbare Voraussetzungen Motivation, geistige als auch sportliche Fitness, Teamfähigkeit vorzeigen können, um erfolgreich in diesem komplexen „Sport“ zu sein. Weitere Attribute sind Schnelligkeit, Agilität, Antizipation.

Darüber hinaus decken Organisation sowie logistisches Planen alles ab, was außerhalb des Wassertrainings zu absolvieren ist: Transporte der Schiffe in Containern, Flüge zu Wettkämpfen, Meldungen; darüber hinaus Unterkunftsplanung und Athletikprogramm.

An welchen Orten wird gesegelt? Palma de Mallorca, Hyères (Frankreich), Griechenland, Portugal, China, Australien, Italien, USA – um nur einige Wettkampflocations zu nennen.

Training

Wie schon angeführt, arbeiten wir nach einem individuell ausgelegten Athletik- als auch Segelprogramm. Gerade im Winter liegt der Trainingsschwerpunkt auf der Verbesserung unserer körperlichen Kondition; während der Segelsaison (regulärer Beginn anfang März bis Ende Oktober) gilt es, die körperliche Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Dementsprechend haben wir von Oktober bis März drei- bis viermal Konditionstraining (u.a. Schwimmen, Krafttraining, Ballsportarten, Laufen).

Das Wassertraining beinhaltet das optimale Anwenden der Kraft/ Kondition in Korrelation mit der benötigten Feintechnik. Hinzu kommen Strategie-/ Manöver-/ Taktik-/ Trimmtraining. Um optimale Geschwindigkeiten mit dem Rennboot zu erlangen, arbeiten wir mit Videoanalysen. Weitergehend sind der Wissensaustausch unter Segelkollegen und Sitzungen mit fachkompetenten Trainern ein Muss für ein effizientes Trainingsprogramm.

Wettkämpfe

In unserem Sport gibt es zwei Wettkampf- Arten:
1. Standortbestimmung
2. Saison- bzw. Leistungshöhepunkt

1. Standortbestimmung

Diese Wettkämpfe sind international hochrangige Regatten, die meist vor den Saisonhöhepunkten stattfinden. Hier ist das Ziel, alles Trainierte umzusetzen und kleinere Problemstellungen bzw. Leistungsdefizite zu vermerken. In der verbleibenden Zeit bis zum Höhepunkt werden diese abgearbeitet.

2. Leistungshöhepunkt

Hierunter fallen Europa- als auch Weltmeisterschaften. Hier soll die bestmögliche Leistung nach optimaler Vorbereitung erbracht werden. Das gesamte Training vor sowie nach diesen Meisterschaften wird so ausgelegt, dass die Sportler bei Einhaltung der Planung zu diesen Höhepunkten in allen nötigen Bereichen (seglerisch, geistig, physisch, psychisch, etc.) topfit sind.

Das Segeln auf dem Wasser

Das Segeln auf dem Wasser lässt sich in zwei grobe Bereiche unterteilen:
1.physischer Bereich
2.psychischer Bereich

Der physische Bereich

Viel Wind verlangt von uns eine ausgezeichnete Kondition und Kraft, Ausdauerfähigkeit in Konzentration. Lässt allerdings der Wind nach, müssen wir uns überaus dezent und filigran bewegen, um einem instabilen und sehr sensiblen Sportboot - wie dem 470er – den optimalen Vortrieb zu gewähren.

Diese Aspekte werden gekoppelt mit einer Vielfalt an technischen Verstellmöglichkeiten, die komplexer und konzentrierter sind als bei anderen Sportarten. Welle, Wind, Strömung, Gegner – alle Faktoren ändern sich in Bruchteilen von Sekunden die gesamte Zeit während einer Wettfahrt. Hierauf muss permanent eingegangen werden - um schneller und besser als die anderen zu sein.

Der psychische Bereich

Ein Segel zu trimmen und den in jeder Sekunde wechselnden Bedingungen anzupassen, erfordert ein hohes Maß an Konzentration über einen Zeitraum von bis zu 8 Stunden am Tag- heutzutage geht man von einer Wettkampflaufzeit von 6 Tagen aus.

Anders als in anderen Sportarten haben wir eine weitere wichtige Aufgabe, der wir uns stellen müssen: 30 Gegner einschätzen, kontrollieren, deren Taktik kreuzen – agieren und die anderen re-agieren lassen, hat oberste Priorität.

Dies alles geschieht auf einem "Spielfeld", das sich während der gesamten Wettfahrt in Bewegung befindet. Es gibt keine festgeschriebenen Begrenzungen – bis auf Bahnmarken, die den abzusegelnden Kurs markieren.

Diesen Bedingungen stundenlang ausgesetzt zu sein erfordert eiserne Disziplin und hochkomplexes Denken. Man lernt seine eigenen Grenzen und die seines Partners einschätzen zu können; und man muss jederzeit bereit sein, darüber hinauszugehen.